Wenn das Backup sich in Rauch auflöst

Nimm dir kurz ein paar Minuten Zeit und überlege dir mal, was du alles auf deinem Computer gespeichert hast. Fotos vom letzten Kindergeburtstag, Urlaubsfilme, Scans von wichtigen Dokumenten, riesige Mengen an Emails, deine noch nicht abgeschlossene Masterarbeit, tonnenweise Kontakte und nicht zuletzt vielleicht auch deine Steuererklärung. Okay, die Steuererklärung ist vielleicht etwas, dass du gerne ausblendest, anderes Thema… Tatsache aber, es zeigt, wie viel wir heute digital abspeichern (können). Doch was ist, wenn all diese Daten einfach von einem auf den anderen Tag durch einen Computerschaden weg sind? 

Überlege dir kurz, wann und wo du das letzte Backup der Daten gemacht hast. Soweit so gut. Wann hast du aber das letzte Mal geprüft, ob dein Backup auch vollständig und funktionsfähig ist? Ist der Speicherstick oder die externe Festplatte vielleicht schon etwas in die Jahre gekommen? Wie wäre es, mal über einen Ersatz nachzudenken?

«Brauch ich nicht! Ich speichere Cloud! So kann ich mich bei einem neuen Computer einfach in der Cloud anmelden und schon habe ich die Dateien wieder auf dem neuen Rechner. Einfach und praktisch!», denkst du dir vielleicht. Wenn dies zutrifft, hast du jetzt genau zwei Möglichkeiten:
A) Aufhören weiterzulesen und entspannt den Tag verbringen.
B) Weiterlesen und deine Meinung hinterfragen. Dies wird gleichzeitig aber auch mit grosser Wahrscheinlichkeit das Risiko eines kurzen Einkaufs beim Elektrofachhandel mit sich bringen.

Die Evolution der Festplatte. Ein Solid State Drive (SSD; ganz rechts) ist heute in vielen neuen Computern eingebaut und kann auch als externe Festplatte im Fachhandel gekauft werden. Der Kostenpunkt für 512GB liegt bei rund 80 Franken.
Bildquelle: Pixabay.com / tonywuphotography

Nun, meistens funktioniert die Lösung per Cloud ja gut. Jedoch gibt es aber auch die eine oder andere Tücke, von welcher du wissen solltest. Wenn du zum Beispiel nur selten ein Backup machst, kann es im schlimmsten Fall sein, dass dein Backup in der Cloud gelöscht wird. Apple behält sich zum Beispiel das Recht vor, nach 180 Tagen Backups zu löschen, wenn kein neues Backup in der Cloud angelegt wurde[1]. Dummerweise hast du genau dann auch die entsprechenden Warnungen in der Flut von Emails überlesen, welche dich vor der Löschung vielleicht noch bewahrt hätte. By the was: Hast du dich informiert, ob dein Anbieter von seinen Servern Backups erstellt? Nicht? Lies lieber nicht weiter… So ist zum Beispiel letzte Woche eine riesige Serverfarm des Cloudanbieters OVH bei Strassburg in Flammen aufgegangen[2]. Fünf Etagen mit Platz für bis zu 12’000 Server wurden Opfer der Flammen. Gemäss dem britischen Datensammler Netcraft waren zeitweise 464’000 Domains von 3,6 Millionen Webseiten offline[3].

Im letzten Dezember habe ich in einem Beitrag darauf hingewiesen, dass es sinnvoll ist, Backups deiner Daten auf mehrere Arten zu machen. Dieses Beispiel oben zeigt einmal mehr, dass es sinnvoll ist, die wirklich wichtigen Dateien separat auf verschiedenen Medien abzuspeichern und, idealerweise an unterschiedlichen Orten aufzubewahren.

Ich persönlich habe gute Erfahrung gemacht mit der Kombination Cloud und externer Festplatte. Neben der Speicherung durch ein Backup-Programm (z.B. TimeMachine auf dem Mac) kann es auch Sinn machen, einzelner sehr wichtige Dateien noch separat auf deinem Stick abzuspeichern.
Achte bei der Speicherung in der Cloud unbedingt darauf, dass du Datenschutzregeln entsprechend berücksichtigst. Gerade in Zeiten des HomeOffice scheint dieser Hinweis noch dringender. Erkundige dich beim Arbeitgeber über die geltenden Bestimmungen, welche Dateien wo abgespeichert werden dürfen und wo nicht. Insbesondere bei personenbezogenen Daten ist Vorsicht geboten.

Bei grösseren Backups macht es Sinn, diese auch mal über Nacht laufen zu lassen. So kannst du am Morgen wieder mit voller Kraft an deinem Rechner arbeiten. Mittlerweilen gibt es auch viele Backup-Lösungen. Falls dein Betriebssystem nicht sowieso schon eine mit an Bord hat, lohnt sich dein kurzer Blick auf die Wochencharts für Backup-Lösungen von chip.de[4].

Das alles hört sich nach viel Aufwand an. Ist es aber nicht. Nehme dir doch vor, einmal im Monat mindestens ein Backup zu machen. Schon kannst du nach diesem Beitrag bedeutend ruhiger schlafen.

Ich wünsche dir, dass du dein Backup nie brauchen wirst!


Eine externe Festplatte benötigt nicht viel Platz auf dem Schreibtisch und erweist dir nützliche Dienste bei den Sicherheitskopien. Bildquelle: Pexels.com / Andrew Neil

Quellen
Titelbild: ccnull.de / Fotograf: Tim Reckmann / CC-BY 2.0 Lizenz
[1] Apple Rechtsabteilung. iCloud Nutzungsvereinbarung, Abschnitt c, Datensicherung https://www.apple.com/de/legal/internet-services/icloud/de/terms.html. Zugriff: 15.3.2021
[2] Maak Niklas. 2021. «Am Rhein brennt Europas Datenschatz». Herausgegeben von der Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH. FAZ.net. https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/groesstes-rechenzentrum-europas-brennt-komplett-nieder-17241629.html?fbclid=IwAR1hrjW8h_8oieRuLwM6kN76tRWgIczD0SSn5ZwQyuGQ4wOUCe-KHfA8lc0&GEPC=s5 Zugriff: 15.3.2021
[3] «Shit happens: Cloud-Server ausgebrannt kurz vor Börsengang». http://www.kleinreport.ch/news/shit-happens-cloud-server-ausgebrannt-kurz-vor-borsengang-96627/ Zugriff: 15.3.2021
[4] «Top 100 Bauckup-Software Downloads der Woche». https://www.chip.de/download/39018_Backup-Software/wochen-charts/Zugriff: 15.3.2021